VenturisIT: User-Meeting 2018

CONNECT verleiht BIM Flügel

Auf dem User-Meeting 2018 (in diesem Jahr trafen sich die 160 Teilnehmer im Hilton Mainz, mit toller Lage direkt am Ufer des Rheins) stand ein großer Themenblock im Mittelpunkt: BIM ist nicht als Strafe, sondern als wertvolle Arbeitsmethodik zu begreifen. Um eine wichtige Erkenntnis gleich vorwegzunehmen: Die CONNECT zugrunde liegende Philosophie der übergreifenden Projektabwicklung entpuppt sich beim näheren Hinsehen als hervorragende Basis für die Arbeitsmethodik gemäß BIM!

Wie bewährt sich BIM in der Praxis? Thomas Espig (M + M AG) startete seinen Vortrag mit der Anmerkung, da werde „nach wie vor mehr theoretisiert als praktisch realisiert“. Wichtig sind für ihn von Anfang an eine Festlegung der Zuständigkeiten und die Abstimmung, welcher Detaillierungsgrad erforderlich sei. Zudem fordert er auch eine Zeitdefinition. BIM fange eigentlich erst ab Level 3 richtig an (das bedeutet: durchgängige gewerkeübergreifende Planung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes). Sein Erfahrungswert: Bei einem BIM-Projekt gibt es zehnmal mehr TGA-Objekte als Architektur-Objekte (bei einem konkreten Projekt zählte er beispielsweise 4000 Architektur-Objekte gegenüber 45000 TGA-Objekten). Bei diesem Projekt war die erste Erkenntnis aus der BIM-Arbeit, dass das zunächst geplante Gebäude für die TGA schlicht und ergreifend zu klein gewesen wäre...

Lesson learned: BIM bedeutet, dass bereits in der Entwurfsphase ein größerer Aufwand erforderlich ist (wegen der größeren Detaillierung als bei herkömmlicher Planung). Das Fazit von Thomas Espig: Man starte BIM in kleinen Schritten. Aber man sollte jetzt wirklich starten!

Auch Matthias Bertholdt (Gesellschafter der amcad) war als Missionar für BIM unterwegs: Die Angst vor BIM sei weit verbreitet, aber unbegründet. Im Grunde seien alle Werkzeuge vorhanden, sie müssten lediglich etwas ertüchtigt werden (beispielsweise um eine IFC-Schnittstelle usw.). Allerdings könne BIM nur funktionieren und erfolgreich sein, wenn die Prozesse der Bearbeitung festgelegt sind, wenn die Rollen der Beteiligten klar sind, wenn die Schnittstellen der Datenübergaben definiert wurden und das Management für die gemeinsamen Daten geregelt ist. „Die Akzeptanz und Durchführung beim Auftraggeber ist für die Wirtschaftlichkeit entscheidend!“ Wenn der Auftraggeber / Betreiber die Daten nicht pflege, sei das ganze BIM-Projekt für die Katz! Sein Rat: Die Einführung der BIM-Methode in einem Unternehmen oder Projekt ist eine Führungsaufgabe! Die Mitarbeiter müssen von Anfang an mitgenommen werden, sonst funktioniere das nicht. Als Gefahr sieht er die Überflutung der CAD-Daten mit Informationen. Er ist überzeugt, dass nicht alle Informationen im CAD geführt werden müssten; vielmehr sollte als zentrale Quelle eine Datenbank angestrebt werden.

Kopplung zwischen TRICAD MS und pit-FM
Die Verknüpfung von Daten aus der CAD-Planung des Gebäudes (Computer Aided Design) zur Nutzung im Gebäudemanagement (CAFM – Computer Aided Facility Management) ist eine seit Jahren geübte Praxis. Die damit verbundenen Vorteile für die Verwaltung (kaufmännische Systeme) und die Instandhaltung der technischen Gewerke sind überzeugende Argumente.

Mit BIM treten insbesondere komplexe Objektbauten und Infrastrukturprojekte in den Fokus der Betrachtung – und damit kommen große Datenmengen ins Spiel. Um bei der TGA-Planung sehr große Datenmengen vernünftig handhaben zu können, bietet sich in besonderer Weise MicroStation als Plattform an. Und genau diese Kombination – eine CAD-Planungssoftware auf Basis MicroStation in Verbindung mit einem leistungsfähigen, auf viele Funktionsbereiche zugeschnittenen CAFM-System – fehlte bislang auf dem Markt.

Diese Lücke füllen nun die VenturisIT GmbH und die pit-cup GmbH: Sie haben eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Die neuen Partner haben eine Schnittstelle zwischen TRICAD MS und pit-FM entwickelt. Damit ist ein durchgängiges und fachdisziplinär übergreifendes digitales Immobilien-Lebenszyklusmanagement auch für Großobjekte verfügbar. Kosten- und zeitraubende Mehrfacherhebungen von technischen Anlagen und Flächen entfallen.

CONNECT: Löst V8i spätestens 2020 ab
Bis 2020 wird TRICAD MS auch weiterhin auf der Plattform V8i gepflegt; dann steht nur mehr CONNECT bereit. Soll heißen: An CONNECT geht mittelfristig kein Weg vorbei. Das ist gerade im Hinblick auf BIM ganz gewiss nur von Vorteil, eröffnet CONNECT doch im Rahmen integrierter Projektarbeit mit der Einbeziehung von analytischer Modellierung sowie Entwurfs- und Bau-Modellierung völlig neue Möglichkeiten zur übergreifenden Projektabwicklung.

Auf dem User Meeting wurde deshalb vorgestellt, wie MicroStation CONNECT am besten zu installieren sei. CONNECT (ca. 6 GB) muss von der Bentley-Seite abgeholt werden. Das heißt, es ist bei der Installation zwingend eine Internetverbindung erforderlich. Das Sprach-Setup muss separat geladen werden. Empfehlung: Vorherige CONNECT-Versionen vollständig deinstallieren! Ohne komplette lokale Administrationsrechte ist keine Installation möglich.

Wie soll nun die Installation erfolgen: Online oder Offline? Bei der Online-Variante werden alle benötigten Daten direkt und vollständig über das Internet im Installationsvorgang heruntergeladen, temporär abgelegt und gelöscht. Bei der Offline-Variante wird alles einmalig in einem Ordner gespeichert. Der Aufruf wird über einen Parameter gesteuert.

Grundsätzlich wird immer die englische Version installiert und das entsprechende Sprachpaket, abhängig von der Ausgangsanwendung. Die Empfehlung seitens der VenturisIT ist, die Ausgangsinstallation in Englisch (=EN) und das deutsche Sprachepaket (=DE) nachträglich zu installieren. In der Oberfläche von MicroStation CONNECT kann die Sprache jederzeit im Einstellungsdialog verändert werden.

MicroStation CONNECT steht anschließend 7 Tage ohne Abgleich mit dem Bentley-Lizenzserver zur Verfügung.

Eine Anekdote am Rande: Macht der User immer wieder die gleichen Fehler, schlägt CONNECT eine bestimmte Schulung vor…